Maria L. Felixmüller & Maria Schumacher

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MARIAMARIA
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    Künstlerische Ansätze
    Spätestens seit 2008 spielt für Maria L. Felixmüller der Umgang mit dem Phänomen Sammeln sowohl theoretisch als auch praktisch eine wichtige Rolle, was sich zum einen im Text Produktive Unordnung - vom Sammeln und Staunen, als auch in den Fotografie-Installationen niederschlägt. Die intensive Beschäftigung mit dem Sammlungssystem der Wunderkammern des 17. Jahr-hunderts, bzw. Methoden des Ausstellens, wie der Whitecube-Tradition, führte zum Stapeln und Anhäufen der Fotografien in Ecken und an Wänden. Die Absicht ist, dass aus einem riesigen Fundus scheinbar nebensächlicher Momente durch Sortieren, Tauschen und Gegenüberstellen eine variable Narration entsteht. Zwischen den Bildern und in ihrer Zusammenstellung etwas zu entdecken, dass als solches nicht im Raum ist, ist Antrieb und Ziel der in den Raum hinein-reichenden Arbeit. Die installative Anordnung der Fotografien ist eine Schlussfolgerung aus den Motiven selbst. Die von der Künstlerin gefundenen, nie inszenierten, fotografisch festgehaltenen Alltagssituationen von Objekten, finden somit, obwohl nun als zweidimensionales Bild, zurück in eine räumliche Anordnung. Der installative Prozess ist gleichwertiger Bestandteil der künst-lerischen Arbeit, wie das Fotografieren selbst. Ausgehend von dem Prinzip einer Wunderkammer, den häuslichen Nippes- & Erinnerungsaltären und den kunsthistorischen Vorbildern der Stillleben und Steckbrettern, wurde eine Art Baukastensystem aus der annähernd 500 Motive umfassenden Bildersammlung entwickelt. In diesem ‚Baukasten‘ befinden sich alle produzierten Bilder in ver-schiedenen Größen: Laserjet-Ausdrucke als Probeprints, fixierte und aufgezogene Formen im Schattenfugenrahmen, hinter Glas gestellte C-Prints, Diasec oder einfach nur C-Prints aus dem Drogeriemarkt. Das gesamte Bilder-Konvolut, das (noch) komplett in einen PKW passt wird zum Installationsort gebracht. Dort werden die Ensembles über mehrere Tage zusammengestellt, gehängt und gebaut und anschließend abfotografiert. In manchen Fällen werden Installations-ansichten vergangener Präsentationen in die Ausstellungen eingebaut, was inhaltlich zu einer selbstreflexiven Ebene innerhalb des Bildgegenstandes führt. So sind in den vergangenen drei Jahren 5 Fotografien entstanden, von denen zwei in der Ausstellung MARIAMARIA zu sehen sind und teilweise dank der ALE-Stiftung realisiert werden konnten.

Februar Maria L. Felixmüller
     
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Maria Schumachers Malerei ist selbstreferenziell. Sie ist ein Zeichenfeld, welches den Ablauf seiner Entstehung offenlegt, referiert, negiert und gleichzeitig wieder verdeckt. Der Schaffens-prozess selbst steht im Vordergrund, wobei dieser direkt auf weiteren Ebenen kommentiert und „verwertet“ wird. Eine spontane Geste wird in der Wiederholung imitiert, ein Pinselstrich wird durch seinen Schatten zum Körper, Farbschlieren und fließende Farbtropfen tauchen auf, wo sie nicht sein müssten. Malerische Mittel, Spuren und Fehler ob echt oder gefälscht generieren das Bild. Parallel zur malerischen Eroberung der Leinwandfläche hinterfragt die Künstlerin stets die spezifischen Eigenheiten des Mediums, die ontologischen Beschaffenheit des gemalten Bildes und seine aktuelle Einbettung in einer langen Tradition. Ein Schatten, beispielsweise wird zur Referenz der Raumtiefe und zugleich ein Kommentar zur Aneignung des Raumes durch die Erfindung der Perspektive.
Ein fragiles und zugleich kräftig-demonstratives Netz an Werksprozess-Überbleibsel, konkreten bildnerischen Entscheidungen und historischen Zitaten entsteht, welches offen bleibt und damit über sein fiktives Ende und seiner möglichen Endlosigkeit spricht.

Februar Maria Schumacher
   
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