Ferdinant Fux
Gunnar Gerlach
Thomas Rieck


Ausstellung vom 11. Oktober - 1. November 2006

Worte zur Eröffnung der Ausstellung von Ferdinant Fux, Gunnar Gerlach und Thomas Rick am 11. Oktober 2006

Drei haben hier ihre Werke ausgestellt, die nicht nur malen und zeichnen, sondern auch schreiben und musizieren. In der Nähe der Miniatur-Waffensammlung können Sie sich in Traktate, Kurzprosa, Polemiken und Aphorismen von Gunnar Gerlach vertiefen. Zu betrachten sind auch seine Aquarelle und Kollagen, die das Schriftliche ergänzen.
Partituren, Notenlinien und Noten-cluster, die mit Fotos und Fotokopien durchsetzt und mit spontanen Zeichnungsfragmenten sowie Farbflecken aufgelockert sind, hat Ferdinant Fux unterzeichnet. Von ihm stammen auch das Triptychon im Treppenhaus, Objekte sowie kollaborative Bilder mit Thomas Rieck.
Rick selbst schickt Bilder von Körpern und Gesichtern durch mehrere multimediale Reproduktionsvorgänge. Zwischenzeitlich werden sie überarbeitet und bisweilen gebadet. Nur Formen und Umrisse, die diese Behandlung überstehen, bleiben und zeigen sich als deformierte von Lust und Defekten gezeichnete Körper und Gesichter.
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Pokalentwurf: O.T.


Pokalentwurf: für Müttergenesungswerk
Hier jedenfalls stehen zwei Pokale, die Ferdinant Fux entworfen hat. Zur Wahl steht 1. „Pokalentwurf: O.T.“ und 2. „Pokalentwurf für Müttergenesungswerk“. Nr. 1 ist die Version mit Blumenbouquet in der Beugelbuddelflasche. Nr.2 ist die Mutter aller Pokale. Eine Milchpumpe mit Auffanggefäß für den edlen Saft: Ist er nicht Nährstoff, Antibiotikum, Therapeutikum und was nicht alles in einem Schluck? Von ihm leiten sich wohl alle Getränke ab und von diesem Auffanggefäß auch alle Schüsseln, Vasen, Krüge und Flaschen. Beide Pokalentwürfe Stelen – durch Goldstaub verfeinert – Nr. 2 die Kindheits- und Nr. 1 die Erwachsenenversion des Pokals für die Gewinner der „7. Preise“ dar.
Doch nicht die Künstler verleihen sich diese Preise selber, nein! Eine Jury aus Direktoren, Kuratoren, Kritikern Theoretikern, Sammlern, etc. Setzt sich zusammen, sichtet, berät, listet, kungelt, wählt und entscheidet. Das Ist die künstlerische Produktion und Künstler tun das ihre. Vergleichbar mit Delinquenten, die der Traktat auf der quadratischen Leinwand von Gunnar Gerlach rechts an der Stirnwand links erwähnt. Dort heißt es:”Ein Philosoph produziert Ideen, ein Poet Gedichte, ein Pastor Predigten, ein Professor Kompendien. Ein Verbrecher produziert Verbrechen. Seine Produktivität liegt im gesellschaftlichen Nutzen der Beschäftigung, die er schafft; denn Delinquenten produzieren Polizei, Anwälte Richter, Gefängnisaufseher, Schlagstockhersteller, Wasserwerfer und sein Bedienungspersonal, sowie Justizminister usw. Hier greift ein erweiterter Produktionsprozess, der zeigt, dass neben materiellen Gütern und Kapital auch Überzeugungen, Gedanken, Begriffe sowie ihre Verschiebung und Negation angehäuft werden können, also akkumulationsfähig sind. Deshalb machen Künstler soviel Arbeit.
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Weil hier drei Künstler ausstellen, möchte ich mich nicht allein für ein Bild oder einen text entscheiden. Aber ich sehe einen Zusammenhang, der von einem Bild ausgeht, über das ich nachdachte, nachdem ich die fast fertige Ausstellung am Sonntag gesehen habe.
Es ist das Bild von Thomas (Rieck) mit dem Kopf, an dessen Mund ein undefinierbarer Gegenstand liegt oder sich anschmiegt. Alter und geschlecht des Wesens sind mir unklar. Die langen haare sprechen gegen einen Säugling. Aber ob es sich um eine Erwachsene handelt ist auch unklar. Auch der fetzen zwischen den Lippen bleibt mir ein Rätsel: - zu klein für eine Sprechblase - zu wohlgeformt für ein Stück Papier - zu kurz für einen Penis - Also vielleicht: ein Schnuller. Oder eher: eine Brustwarze - Oder der gestopfte Mund einer Geisel?
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Zum Schluss ist noch eine Frage offen. Warum die beschädigungen bei Rieck, die Zerstückelung bei Fux, die herausgerissenen Seiten bei Gerlach? Es scheint mir, die frage der verstümmelung, der verletzung und deformation ist noch nicht beantwortet worden. Sie hat heute mit der Ergebnislosigkeit der veränderungsabsicht zu tun. Sie hat damit zu tun, dass wir die Gewalt, über die wir verfügen, gar nicht einsetzen dürfen, um den gang der Welt zu beeinflussen. Nach dem Schrecken, den wir kennen und durch menschen erlebt haben, halten wir die Erde lieber auf der Umlaufbahn und geben die überhebliche Suche nach dem Archimedischen Punkt auf, an dem wir ansetzen würden, um die Welt aus den Angeln zu heben.
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Johannes Lothar schröder

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