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Constantin Hahm


Constantin Hahm wurde 1945 in Bückeburg, Deutschland, geboren. Er studierte von 1970 bis 1976 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 1979 verlegte er sein Atelier nach Chatillon sur Loire, Frankreich. Er lebt mit zwei Katzen und verlässt ungern das Haus. Auf die Frage warum er nach Frankreich gezogen sei, erzählt er folgende Anekdote. In Hamburg hätten ihn die Hanseaten oft gefragt, was er nach dem Studium machen würde. Freie Malerei, habe er geantwortet. Darauf hätten die Hanseaten die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und gerufen: Um Gottes Willen, davon können Sie nie leben. Sie werden verhungern. Drei Wochen nachdem er sich sein Haus in Chatillon gekauft hatte, fragte ihn der Briefträger, was er machen würde. Je suis artiste peintre, habe Hahm geantwortet. Darauf habe der Briefträger geantwortet, dass er das ganz famos finden würde. Die Leute bräuchten die Künstler, denn die verwirklichen unsere Träume.

  • E-Mail: constantin.hahm@neuf.fr
  • Im Netz: www.constantinhahm.com


  • Atelier Outside
    Atelier Inside


    Die Zerbrechlichkeit des Wahrhaftigen - Der Maler Constantin Hahm

    Im Überblick : eine Landschaft, ein Werkzeug, eine bewaldete Straßenkreuzung, ein Auto oder ein Panzer. Sie vermitteln eine abstrakte, fast oberflächliche Fröhlichkeit. Auf den ersten Blick ist das die gefällige Malerei, die Hahm seit Jahrzehnten ausführt. In der Nahsicht malerischer Neugier, die die Leinwand entziffert, ist anderes zu entdecken. Eine große Sorge, erschüttert durch widersprüchlich gemalte Splitterformen, die sich reiben, sich wechselseitig und aneinander stören, sich überlagern, komponiert aus verschiedenen Blickpunkten, an die Ränder entgleitend in einer Mischung unterschiedlichster Bezüge. Aber da sind auch Serien mit isolierten Motive von Alltagsgegenständen: Kneifzange, Hammer, Rasierapparat, Streichholz; fröhlich dem Betrachter zugewandte Frauen in Badeanzügen; Straßenverkehrszeichen; Dorfbauten, freundlich umgeben von willkürlichen Landschaften ; großformatige Karten, wie Schulkarten für Erstklässler komponiert, seit den 80er Jahren übersät mit aktuellen Andeutungen, oft begleitet von Parolen und Werbeslogans. Überraschenderweise scheinen all seinen farbenfrohen Ölmalereien Themen abzugehen, die andere Künstler jahrhundertelang beschäftigt haben. Hahm bindet sich nicht an klassische Kunsttheorien. Bei ihm treten Zeit, Licht, Hell und Dunkel, Wolkenschatten fast unbemerkt auf. Getragen von fehlender Perspektive, gibt es in seinen Kompositionen aber Sonne, Mond, Regen, und die Objekte reihen sich unter der Hand des malenden Komponisten ohne weiteres in einen erzählenden Kontext. Ist es eine Annäherung an die Märchen des Zöllners Henri Rousseau, an die Industriewelt eines Fernand Léger, an die surrealen Landschaften eines René Magritte, an das vergangene Reich der farbigen Bilderbögen der Epinal-Werkstatt? Hahm hat nichts gemein mit diesen Positionen. Nein, dies ist nicht eine Pfeife (René Magritte). Hahm malt, und das seit Jahrzehnten, sein eigenes Universum, das sich in unablässigen Varianten wiederholt, obwohl er neue Motive wie den Computer oder Digitales einführt. Diese gewaltige gemalte oder gezeichnete Banalität scheint jedermann als imaginierte kleinbürgerliche Welt, wie sie die Mehrheit lebt, leicht zugänglich. Für all diejenigen, die am unverändert sicheren Frohsinn des Alltags teilhaben möchten. Für all diejenigen, die in den Motiven des Künstlers ihre individuellen Mythen und Träume entdecken, eine Verliebtheit oder auch nicht, den Wunsch nach einem anderen beruflichen Leben als dem in der Vorstadt oder auf dem Land. Die Motive vermitteln dem Betrachter die Botschaft: Sieh dich vor, ich bin etwas anderes als das, was du in mir vermutest. Ich scheine ein Objekt zu sein, ein Schild, ein Tier, ein Frauenkörper, ein Hut. Ich bin Teil der Zerbrechlichkeit des Wahrhaftigen, aber ich bin nicht surreal. Ich bin ein lebendes Wesen, ich bin ein konkreter Gebrauchsgegenstand, ja sogar ein Objekt von ästhetischem Wert. Tatsächlich erzeugt Hahn seine Kunst, um unseren leeren Alltag zu füllen, ihn freundlicher, lebenswerter zu gestalten. Seine Bilder eignen sich gut zum Zusammenleben, aufgehängt an der Wand über dem Sofa im familiären Wohnzimmer. Gerade dort aber beweisen sie mit ihrer vermeintlichen Schlichtheit, dass unsere schwierige Welt anders zu entziffern ist. Seine Bilder verweigern den ästhetischen Dialog. Sie beruhigen keineswegs im Zusammenleben mit der Gleichförmigkeit des Alltags. Mit ihren Splitterformen und lebhaften Farben versinnbildlichen diese figurativen Kompositionen vielmehr jedem die ihm gemäße Ästhetik.

    Marie-Louise von Plessen