Marie Luise Lebschik


7. November - 25. November 2007

Zum Werk von Marie Luise Lebschik

Das aus dem Unterbewusstsein hervorgegangene Schaffen der Malerin Marie Luise Lebschik beschäftigt sich stets mit einem Motiv. Lebschik malt Mädchen in einem hellen, lichterfüllten, transparenten Farb-Licht-Raum. Die Bilder entstehen in einer erstaunlichen Dichte. Zerbrechlichkeit, weibliche Identität, Isolation und Nichtkommunizierbarkeit werden von der Künstlerin sondiert und ins Bild gebracht. Immer handelt es sich um stumme, meist sitzende, aber auch stehende Wesen, die in sich versunken sind und den Betrachter nicht anblicken.

Das Motiv des jungen Mädchens wird mit Wachstum, Sehnsucht, Unschuld, Anmut und Schönheit konnotiert. Der kindliche Reiz der malerisch Dargestellten steht im Einklang mit dem Wollen der Künstlerin, sie in einer situativen Stimmung zu erfassen. So bewegen sich die Modelle in vertrauter Umgebung, wenn sie porträtiert werden. In der weich zeichnerischen, pastellenen Malweise lässt sich eine Inspiration durch die Mädchenbildnisse von Edgar Degas finden. Auch sie werden losgelöst von der Umgebung in einem Raum dargestellt, der einzig und allein dazu dient, ihre Gestalten ins rechte Licht zu rücken.

Neben den Gemälden fertigt Lebschik auch Fotografien, wieder mit demselben Inhalt an. Mit der Spiegelreflexkamera und hochempfindlichen Schwarzweißfilmen aufgenommen, setzt sie ihre Protagonisten in eine verschattete Atmosphäre von Licht und Dunkel. Die Bilder dienen nicht nur als "Skizzenmaterial", sondern besitzen auch eine autonome, künstlerische Qualität.

Im Ölgemälde „Dalia-Faltenwurfkleid“ (1998) sitzt ein Mädchen mit geneigtem Kopf in weißem Kleid und weißen Socken auf einem Holzstuhl, der nicht im Raum verankert zu sein scheint. Blaue Schatten spielen im Haar und markieren den Verlauf der Gewandfalten. Die Künstlerin hat hier einen stimmungsvollen Moment eingefangen, in dem die Dargestellte ungezwungen und wie unbeobachtet agiert.

Elisabeth Pokorny-Waitzer